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Die wirtschaftliche Lage der Apotheke - ein aktuelles Stimmungsbild

Die AMNOG-Auswirkungen prägen nach wie vor die Stimmung in vielen Apotheken!
20 ERFA-Apotheken wurden zur derzeitigen Lage befragt!

 

Wie sieht es nun heute aus?

Der pharmazeutische Großhandel muss in 2011 im Bereich der GKV als „AMNOG-Sparbeitrag“ 0,85 % (bezogen auf den Herstellerabgabepreis) „abtreten“. Die Apotheken waren ursprünglich davon ausgegangen, dass es deshalb wohl zu Rabattkürzungen seitens des Großhandels in der Größenordnung von 0,4 bis 0,5 % kommen würde. Damit hätten die Apotheken die Hälfte des „Großhandels-Sparbeitrags“ übernommen.

Die meisten Apotheken haben jedoch im Laufe des Jahres von ihren Lieferanten Kürzungen zwischen 0,85 % bis 2,5 %!! (bezogen auf Rx-Arzneimittel) hinnehmen müssen.

Lediglich 3 befragte Apotheken konnten mit vergleichsweise geringeren Verschlechterungen zwischen 0,3 und 0,5 % die Erwartungshaltung hinsichtlich einer moderaten Kürzung bestätigen.

 

Um wie viel Geld pro Apotheke geht es eigentlich?

Fachbeiträge in der PZ und DAZ berichteten, dass die rechnerisch ermittelte Durchschnittsbelastung pro Apotheke durch die Erhöhung des Apothekenabschlags in 2011 etwa 7.000 bis 8.000 Euro Rohertragsverlust bedeutet.
Zahlen der Steuerberatungsgesellschaft Treuhand Hannover zeigen auf, dass über 50 % der Apotheken ein Betriebsergebnis von weniger als 100.000 Euro im Jahr erwirtschaften. Mit der AMNOG-Belastung verringert sich also dieses Betriebsergebnis nur durch Anrechnung des 200 Mio.-Apothekenpakets erheblich.

Bisher waren die meisten Fachartikel davon ausgegangen, dass eine Verschlechterung der Großhandelskonditionen sich in dem von den Apotheken ursprünglich erwarteten moderaten Rahmen bewegen, dabei aber schon weitere Verluste in Höhe von 5.000 bis 10.000 Euro/Jahr im Raum stehen. Diese Verluste sind in den meisten Apotheken nicht aufzufangen, da hier praktisch keine Luft für eine Kostenreduzierung z. B. im Personalbereich besteht.

Die bekannt gewordenen deutlich höheren Rabattkürzungen bedeuten im Einzelfall noch eine weit höhere Belastung! Das gibt ausreichend Zündstoff für hitzige Diskussionen und für die Fragestellung, warum sich die einzelne Apotheke ein solches Vorgehen gefallen lässt. Aber offensichtlich gibt es praktisch keine Ausweichmöglichkeiten. Auch ein Wechsel eines pharmazeutischen Großhandels führt nicht zu einem gewünschten Ergebnis, da es auch dort wohl keine besseren Rabatte auszuhandeln gibt. Einzelstrategien von Apotheken können allenfalls noch darauf abzielen, einen bisherigen Zweitlieferanten auszuhebeln, um den vollen Apothekenumsatz auf einen pharmazeutischen Großhandel zu konzentrieren und durch diese Maßnahme zumindest noch etwas bessere Konditionen zu erhalten.

 

Was bringt die Zukunft?

Das Jahr 2011 ist hinsichtlich des Großhandels-Sparbeitrags lediglich ein Übergangsjahr.

Ab Anfang 2012 wird – wie bekannt – die bisherige degressive Großhandelsmarge bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln durch ein „Kombimodell“ aus einem Festzuschlag und einem prozentualen Aufschlag ersetzt.

Es wurde schon reichlich darüber diskutiert, ob diese erweiterte Veränderung dann in 2012 zu nochmaligen Rabattkürzungen für Apotheken führen werde oder ob die Großhandlungen bereits in 2011 die Situation ab 2012 hinsichtlich der Kürzungen einkalkulieren würden.

Aktuelle Meldungen zeigen, dass die in der ersten Jahreshälfte bereits durchgeführten Rabattkürzungen für den Großhandel noch nicht ausreichend waren. Gehe und Phoenix verlangen seit September einen „Sonderzuschlag“ in Höhe von 0,5%, Sanacorp hatte dies ab Oktober bekannt gegeben und Anzag informierte über einen ab November fälligen Ausgleich in Höhe von 0,55%.

Hier wird jedoch nicht jede Apotheke gleich behandelt. In der Summe aber kann man davon ausgehen, dass Apotheken ab 2012 hinsichtlich des neuen Vergütungsmodells für den pharmazeutischen Großhandel in der Regel einen maximalen Rx-Rabatt bis zu 3,15% erwarten dürfen. Die befragten ERFA-Apotheken hatten noch in 2010 einen durchschnittlichen Rx-Rabatt in Höhe von ca. 5,5% erhalten!!

 

Das Thema „Direktgeschäft“ wird von den befragten Apotheken als möglicherweise interessante Alternative betrachtet.

Hier wird zumindest sehr intensiv recherchiert werden, ob man im Direktbezug bessere Konditionen erwarten kann. Angesichts der deutlich geschrumpften Roherträge zählen jetzt sogar Prozentbruchteile!

Der pharmazeutische Großhandel wird zudem vermehrt auf Servicegebühren setzen. Die in der Vergangenheit weitgehend kostenfreien Telefonate oder Mehrfachbelieferungen pro Tag werden dabei deutlich eingeschränkt bzw. nur noch gegen Gebühr möglich sein.

Die Möglichkeiten der einzelnen Apotheke, mit dem pharmazeutischen Großhandel über die individuellen Rabatte zu verhandeln, werden sich künftig auch auf die prozentualen Anteile der einzelnen Preisgruppen in dieser Apotheke beziehen. Der z. B. auch in der PZ vom 20. Januar 2011 (Quelle: Treuhand Hannover) dargestellte Verlauf der Großhandelsmarge 2010, 2011 und 2012 für einzelne Preisgruppen bietet Zündstoff für diese Verhandlungen:

 

Der Grafik kann man entnehmen, dass die Großhandelsmarge sich für die niedrigen Preisgruppen künftig sogar deutlich verbessert und erst im Hochpreisbereich deutlich schlechter wird.

Diejenigen Apotheken, die in hohem Maße mit sehr preisgünstigen Verordnungen im Rx-Bereich zu tun haben, könnten auf dieser Basis andere Verhandlungspositionen für Rabattgespräche erhalten als Apotheken, die es weit überdurchschnittlich mit Hochpreis-Artikeln zu tun haben. Offensichtlich gibt es auch hier schon erste Gesprächsansätze mit einzelnen Großhandlungen, die diese Preisgruppen berücksichtigen.
Dieses Thema wird auf alle Fälle spannend bleiben!

 

Zusammengefasst

...ist die Stimmung bei den befragten ERFA-Apotheken hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation extrem schlecht. Viele rechnen mit rund 20% Rohertrags-/Ertragsverlust in 2011. Nach Einschätzung der Apotheken wird sich die Situation in 2012 weiter verschlechtern. Auf der anderen Seite gibt es kaum nennenswerten Spielraum für Kostensenkungen. Es besteht deshalb großes Interesse, alternative Bezugsmöglichkeiten zu prüfen und eine ebenso große Offenheit für neue, ergänzende Geschäftsmodelle.

Vielen Dank an Andreas Kierndorfer, Geschäftsführer aoki GmbH, Roggenburg

 

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