Nicht nur in unserem Newsletter, sondern seit vielen Jahren in allen Branchenberichten ist nachzulesen, dass die Brutto-Werbeausgaben (BWA) in medizinischen und pharmazeutischen Fachzeitschriften seit Jahren rückläufig sind. So langsam haben wir uns schon an diese Nachricht gewöhnt und legen sie in die Schublade Na-und-ist-doch-nichts-Neues. Ist es auch nicht, ja man kann sogar argumentieren, hier vollzieht sich gerade eine ökonomisch rationale Marktveränderung nach den Regeln von Angebot und Nachfrage.
Hinter dem Schleier des Offensichtlichen verbirgt sich aber eine riskante Entwicklung, die an einer tragenden Säule des Gesundheitssystems in unserem Land rüttelt: dem Angebot an seriösem, glaubwürdigem, unabhängigem Medizinjournalismus.
… in Deutschland haben, ist schon so oft strapaziert worden, dass man sich schon lächerlich vorkommt, wenn man es wieder und wieder erwähnt. Warum passieren dann nicht endlich die allseits erwarteten Titeleinstellungen, die der Markt bräuchte?
Die Antwort ist einfach und betrifft jeden von uns, die wir über Werbebudgets verfügen: wir lassen es durch individuelle Einzelentscheidungen nicht dazu kommen. Bei aller Einsicht in die Notwendigkeit einer Konsolidierung verteilen wir im Alltag eine Sonderseite hierhin, eine Gefälligkeitsanzeige dorthin und einen Druckkostenzuschuss obendrauf für einen besonders wohlwollenden Beitrag (der ohne diesen Zuschuss nicht gedruckt werden würde?). In der Summe kommt schnell ein Betrag zusammen, der die 10 Millionen Euro erklärt, die den Top-10-Verlagen seit 2008 fehlen (siehe Beitrag zu den Rx-Werbeausgaben). Und das ist nur die Entwicklung der letzten drei Jahre!
Über ein geeignetes Bewertungssystem reden wir gleich. Aber wie können denn Verlage auf solche Rückgänge nun reagieren? Ideen für neue Erlösquellen sind ein knappes Gut und die betriebswirtschaftliche Vernunft diktiert als Erstes Kosteneinsparungen. Wenn bei diesem Wort die Assoziationen von üppigen Fuhrparks, großzügigen Büroausstattungen, fideler Reisetätigkeit und dergleichen verbraucht sind, geht es langsam an die Substanz. Dann reden wir über Verringerung des redaktionellen Aufwands, Verlängerung der Verwertungsketten einmal geschriebener Beiträge, Verdrängung der Eigenrecherche durch Agenturmeldungen, rückläufige Heftumfänge. Wir reden also über einen massiven Schwund an journalistischer Qualität! Und das kann für eine funktionsfähige Gesundheitsversorgung in einem Land mit 80 Millionen Menschen nicht gewollt sein. NEJM, BMJ oder Lancet können diese Lücke nicht füllen.
Und das nicht in den kommenden 10 Jahren, sondern jetzt. Dabei werden einige gegensätzliche Ansichten über die Daseinsberechtigung so mancher Fachzeitschrift aufeinander prallen. Es wird und soll strittige Debatten geben über die Breite und Tiefe unserer Medienlandschaft.
Um seine Wertschätzung müssen Verlage mit jeder einzelnen Ausgabe ihrer Titel, ja mit jedem publizierten Beitrag wetteifern. Wie gut ihnen das gelingt, wird dann die LA-MED zeigen. Seit den Anfängen der Leserschaftsforschung gibt es dort die Frage nach der Leser-Blatt-Bindung. Die Grafik zeigt die Werte aus der jüngsten API-Studie.
Als Mediaagentur haben wir die Leser-Blatt-Bindung immer schon als eine wichtige Kenngröße in der Titelbeurteilung benutzt.
Gehen wir diesen Weg konsequent weiter und machen sie zum wichtigsten Bewertungskriterium.
Vor allem verzichten wir auf sogenannte Werbeträger, die sich gar nicht erst einer Leserbefragung stellen!
Verfasser: MW Office
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